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Alles ist im Fluss, ich spüre den zärtlichen Biss des Windes auf meinen Wangen. Ich sehe das Blau des Himmels, das sich endlos entfaltet, mein Herz schlägt im Rausch der Geschwindigkeit. Fliegen, frei sein, ein unübertroffenes, magisches Erlebnis. Den Körper eng an die scharfen Schuppen meines Reittieres gepresst, betrachte ich die unendlichen Weiten der grünen Ebenen unter mir. Ich lasse mich forttragen, im beglückenden Gefühl, über allem zu schweben. Die weißen Wolken strecken sich genüsslich im azurnen Himmel aus, ich fliege durch ihren bauschigen Dunst hindurch, in einem unbeschreiblichen Freudentaumel werde ich eins mit ihnen. Nie hätte ich mir vorstellen können, eines Tages auf einem Drachen zu reiten, nie hätte ich mir vorstellen können, diese erhabene Höhe zu erreichen, die selbst Berge winzig erscheinen lässt. Am Horizont erkenne ich die ausgedehnte Kette der Gipfel von Sarandiane, deren schwarzen Spitzen vor meinen Augen vorbeiziehen. Ich fühle mich wie ein Herrscher über das Himmelreich. Ich fliege immer weiter der Sonne entgegen. Das goldene Gestirn sendet mir seine glitzernden Strahlen entgegen, taucht mein Gesicht in sein gütiges Licht. Ich habe das Gefühl, dass nichts mich aufhalten kann. Ich lege meine Stirn auf den Hals meines Streitrosses und spüre die Vibrationen seines feurigen Herzens, seines stählernen Herzens, das in der Schmiede seiner Brust hämmert. Der goldene Drache ist allmächtig, er ist der König der Welt, das über alle Kontinente hinweg verehrte Wesen. Er führt mich durch alle Schattierungen von Blau bis ans Ende des azurnen Himmelsgewölbes. Er nimmt mich mit in ein Universum, das keine Schranken kennt, wo ein Wind der Gelassenheit weht, in ein Reich der Unermesslichkeit. Hoch auf seinem Hals sitzend bin ich nichts als ein winziger Passagier, ein Reiter ohne Zügel, der Begleiter seines Fluges. Er ist mein Beschützer, mein Freund, mein zuverlässigster Verbündeter. Ich muss lächeln, wenn ich ihn grollen höre. Ich lausche seinen wilden Flügelschlägen. Ich nehme seine Kraft in mich auf, ich schwebe in der Aura seiner Zauberkräfte wie ein Kind in den Armen seiner Eltern. Zwischen uns herrscht eine geheimnisvolle Verbundenheit, die ich nicht beschreiben könnte. Unsere Seelen sind eng miteinander verwoben. Meine Gedanken ruhen in seinem Geist und sein Gleichmut füllt mich aus. Wir sind eins. Wir durchqueren Raum und Gefilde wie zwei Brüder im Rausch des Abenteuers. Ich hätte mir keine schönere Begegnung erträumen können. Ich weiß nicht, wie das alles passieren konnte. Aber nun sind wir auf immer miteinander verbunden. Ich bin der Diener seiner Weisheit, ich bin sein Schüler, der letzte Hüter seines Erbes. Er hat beschlossen, mich an seinem uralten Wissen teilhaben zu lassen. Er hat mir die Geheimnisse des Lebens versprochen und schenkt mir die größte aller Freiheiten.

Translated by Tatjana Marwinski