Schwarz steht Ihnen gut

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Des nouvelles, des romans, souvent noirs et toujours avec un intérêt particulier pour la psychologie des personnages. Côté nouvelles, plusieurs prix, des publications dans diverses revues et un  [+]

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Das Trommeln der Regentropfen auf dem Metall gemahnte sie daran, dass sie jetzt besser wieder heimgehen sollte. Der Schauer konnte noch heftiger werden.
Ihre Neugierde jedoch war noch heftiger.
— Darf ich Ihnen eine Frage stellen?
— Sicher. Es ist unerlässlich, dass die Bedingungen unserer Vereinbarung absolut klar sind.
— Nein, darum geht es nicht... In dieser Hinsicht ist alles klar. Sie werden mich wohl für dumm halten, aber... Warum sind Sie ganz in Schwarz gekleidet?
Der Mann neben ihr auf dem Beifahrersitz antwortete nicht. Sein Blick war auf die Motorhaube geheftet, über die sich jetzt Schwalle von Wasser ergossen.
— Oh, das hätte ich nicht tun sollen… Vergessen Sie‘s!
Er drehte ihr sein Gesicht zu und musterte sie.
— Eine seltsame Frage ist das, Frau Rambert.
— Es tut mir Leid... Ich bin es einfach nicht gewöhnt, abends so... in einem Auto zu sitzen… mit...
Er unterbrach sie mit einer Geste seiner schwarz behandschuhten Hand, wodurch er ihr die Suche nach einer geeigneten Bezeichnung ersparte.
— Diese Art von Geschäft erfordert die höchste Diskretion, Frau Rambert.
— Ja, ja, ich verstehe! Es ist idiotisch von mir... Ich hatte mir ursprünglich vorgestellt, dass das Treffen in einer Bar stattfindet, Sie wissen schon. In eine Bar voller Leute...
Er brach in ein heiseres Gelächter aus.
— Und Sie tragen eine Sonnenbrille, nehme ich an! Pffff...
Er schüttelte den Kopf und sie sah, dass eine lange Narbe um seinen Hals lief. Sie fühlte sich unbehaglich und wandte sich ab.
— Nein. Glauben Sie mir, Frau Rambert, ein nächtliches Treffen auf einer unbefahrenen Straße ist immer noch am sichersten.
— Sie haben Recht. Schließlich sind Sie ja der Profi!
Nun lachte sie. Übrigens mehr um Haltung zu zeigen als aus wahrer Lust daran, aber ihm schien es zu gefallen. Sie entspannte sich.
— Verabreden Sie sich immer mitten in der Nacht?
— Ja, immer.
— Und ziehen Sie sich auch immer schwarz an?
Er warf ihr einen Blick zu, den sie nicht deuten konnte. Vielleicht hätte sie nicht so hartnäckig fragen sollen.
— Würden Sie mir glauben wenn ich Ihnen sagte: Ich tue dies, um ernster zu wirken?
Sie lächelte ohne zu antworten, da sie nicht wusste, ob er sie nicht verhöhnte. Zu ihrer immensen Erleichterung fuhr er fort:
— Der Tod ist nämlich eine ernste Sache. Schauen Sie mal, auch die Totengräber sind schwarz gekleidet. Die Pfarrer ebenfalls...
— Ich muss zugeben: Auf den Vergleich bin ich nicht gekommen.
— Wir alle üben in etwa denselben Beruf aus. Wir beschäftigen uns mit dem Tod. Mit dem einzigen Unterschied, dass wir nicht zum gleichen Zeitpunkt eingreifen.
— Daran hatte ich tatsächlich nicht gedacht.
Sie war, um es ehrlich zu sagen, von diesen ganzen philosophischen Betrachtungen verwirrt. Daher kehrte sie lieber auf ein praktisches Terrain zurück, das ihr mehr lag.
— Ich dachte, es wäre wegen der Flecken.
— Welcher Flecken?
— Na, der Blutflecken! Auf schwarzem Stoff sind sie nicht so sichtbar. In ihrem Beruf machen die Ihnen sicher häufig zu schaffen.
Er warf ihr einen beleidigten Blick zu.
— Sie haben eine falsche Vorstellung von meinem Beruf, meine Dame. Meine Methoden sind sehr sauber und ich achte immer darauf, dass nach meinem Fortgehen alles tadellos aussieht.
— Ein wenig wie die Anstreicher, also!
— Das weiß ich nicht… ich war nie Anstreicher...
Er runzelte die Stirn und schien einen Augenblick nachzudenken.
— Dazu kommt mir das Beispiel ziemlich unpassend vor. Anstreicher sind doch weiß gekleidet, oder?
— Ja. Seltsam übrigens, wenn man es bedenkt...
Es stimmte, sie hatte es nie bedacht. Sie schwieg, bis der Mann sie aus ihren Gedanken riss.
— Gar nicht so seltsam. Die brauchen nämlich ihre Flecken nicht zu verbergen.
— Aber ich dachte, Ihre Methoden seien sehr sauber?!
Er blitzte sie zornig an, offensichtlich fand er wenig Gefallen an ihrem Humor.
— Das hängt von Ihnen ab, Frau Rambert! Sie wählen aus, wie ich vorgehen soll.
— Wie bitte, ich soll auswählen, wie Sie vorgehen sollen? Sie sind doch hier der Profi, oder?
— Alle Kunden haben Präferenzen. Die einen wollen, dass es kurz und schmerzlos ist. Die anderen wollen eher das Gegenteil. Der Kunde ist König.
Sie schaute ihn verdutzt an.
— Ich muss gestehen: Darüber habe ich gar nicht nachgedacht. Ich weiß nicht so recht... Einerseits wäre ich schon für das Langsamste, wenn ich alles denke, was mir dieser Schweinehund angetan hat... Andererseits wäre das nicht sehr elegant von mir, angesichts des ganzen Geldes, das er mir hinterlassen wird...
— Aber Achtung, ich biete nur die Klassiker, klar? Erwürgen erstechen, ertränken, usw... Kein Geschnörkel.
— Was verstehen Sie unter „Geschnörkel“?
— Folter, Verstümme...
— Mein Gott! Was kann man an solche Sachen auch nur denken?!
— Da gebe ich Ihnen völlig Recht, Frau Rambert. Aber was wollen Sie, heutzutage geht der Beruf vor die Hunde. Ich wenigstens arbeite noch auf der guten alten Art. Mit Grundsätzen. Also, was tun wir?
— Das überlasse ich Ihnen.
— Sehr gut. Dann mache ich es auf meine Art. Garantiert ohne Flecken!
— Darf ich erfahren…?
— Berufsgeheimnis.
— Und… wann soll es geschehen?
— Ebenfalls Berufsgeheimnis.
— Dann sagen Sie mir doch wenigstens, zu welcher Tagesstunde Sie ihren... Eingriff planen?
— Meine „Eingriffe“, wie Sie es nennen, erfolgen ausschließlich nachts.

Frau Rambert verbrachte die folgenden Tage in einem Zustand unbeschreiblicher Erregung. Hin- und hergerissen zwischen Schuldgefühlen und vorausempfundener Erleichterung, betrachtete sie ihren Mann mit anderen Augen. Und allzu betont, zweifelsohne, denn auch er schien sie mit anderen Augen zu betrachten. Sie musste achtgeben, dass er keinen Verdacht schöpfte. Daher bemühte sie sich, eine so alltägliche und gewohnte Haltung wie möglich zu bewahren. Bis zu jenem Oktoberabend.

— Haben Sie mich erschreckt! Ich dachte, da war ein Einbrecher im Garten.
— Tut mir leid, Frau Rambert. Ich wollte Sie nicht erschrecken.
Sie hob die Hand um keine weiteren Entschuldigungen zu hören und lachte über ihre eigene Feigheit.
— Mit ihrer schwarzen Kleidung kann man Sie nachts ja gar nicht sehen! Jetzt verstehe ich Ihre Farbauswahl besser.
— Sie sind sehr scharfsinnig, Frau Rambert.
Wegen der Dunkelheit konnte er nicht sehen, dass sie aufgrund des Kompliments errötete.
— Aber was wollen Sie hier mitten in der Nacht?! Es ist ausgeschlossen, dass es hier stattfindet! Und sowieso ist mein Mann noch gar nicht daheim.
— Keine Angst, Frau Rambert. Dass Sie dem Tod ihres Mannes beiwohnen kommt überhaupt nicht in Frage. Ich sorge immer dafür, dass die Auftraggeber fern von der Stelle bleiben... wo die Ereignisse geschehen.
— Gut. Was machen Sie dann hier? Ich hatte Ihnen gesagt, dass mein Mann immer bis spät abends in seiner Kanzlei bleibt.
— Sie haben mir tatsächlich diese wertvolle Auskunft erteilt.
— Er muss noch dort sein. Heute Nachmittag habe ich ihn dort noch gesehen...
— Ich ebenfalls.
Sie starrte ihn ungläubig an, dann begriff sie endlich.
— Mein Gott! Ist es erledigt? Oh! ich kann es gar nicht glauben...
Sie vergrub das Gesicht in beide Hände und begann zu lachen. Das musste an ihren Nerven liegen.
— Frau Rambert...
— Ja... Hören Sie... Ich habe selbstverständlich vollstes Vertrauen in Sie... Aber verstehen Sie bitte, ich muss einfach eine Bestätigung seines Todes erhalten, bevor ich Ihnen den Rest auszahle. Umso mehr, da Sie mir gesagt haben, Sie würden nur nachts handeln. Also möchte ich mich vergewissern...
— Das kann ich bestens verstehen, Frau Rambert.
Sie entspannte sich und schenkte ihm ein breites Lächeln.
— Jedenfalls danke, dass Sie mich benachrichtigt haben! Ich sage Ihnen also: „Bis sehr bald.“ Ich gehe mich fertig machen. Die Nacht wird wohl sehr lang werden!
—Sie sollten so bleiben wie Sie sind, Frau Rambert. Dieses schwarze Nachthemd steht Ihnen wunderbar.
— Vielen Dank... Nun gut, also, von mir aus können Sie jetzt gehen. Man sollte uns nicht zusammen sehen!
— Uns könnte keiner sehen, Frau Rambert. Sie sagten es ja selber: Es ist dunkel, mitten in der Nacht...
Er trat auf sie zu, berührte sie fast.
— Ehrlich gesagt gedachte ich, noch ein wenig zu bleiben.
— Es ist schon sehr spät...
— Die Arbeit, Frau Rambert, die Arbeit...
— Ich verstehe nicht...
— Es tut mir Leid, Frau Rambert.
— Aber wir hatten doch ein Abkommen...
— Das Ihrem Mann viel Kummer bereitet hat... Er hat mir die doppelte Summe geboten.
— Aber ich habe Sie doch bezahlt!
— Das ist sehr großzügig von Ihnen, Frau Rambert. Ich fürchte, dass ich es Ihnen wegen Ihres plötzlichen Todes nicht erstatten werden kann. Sagen wir, dass Ihr Vorschuss eine Bonusprämie darstellt.
— Aber was tun Sie denn...!
— So, Frau Rambert, so... Das wird schnell gehen.
— Aufhö...
— Und keine Flecke geben!
— ...
— Sie merken schon, Ihr Mann hat sich für Erwürgen entschieden.
— ...
— Nicht sehr angenehm, das gebe ich zu. Aber sehr sauber.
— ...
— Ich beeile mich ja schon, Frau Rambert. Ich beeile mich ja schon.

-- Traduite par Johannes Honigmann

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